Ist Wien wirklich die lebenswerteste Stadt der Welt?

Einige von euch wissen es wahrscheinlich nicht – ich bin von Wien wieder zurück nach Stuttgart gezogen. Dies hat natürlich viele Gründe, aber der Hauptgrund warum ich nicht mehr in Wien leben möchte ist Einer – Wien ist nicht dass was ich erwartet habe. Ich werde hier so kurz wie möglich erläutern was mich genau gestört hat und mit anderen Städten vergleichen, in denen ich wirklich war.

Auf die Idee nach Wien zu ziehen kam ich sehr früh, aber diese Idee wurde immer wieder von Artikeln gestärkt, welche Wien als lebenswerteste Stadt der Welt darstellten (hier ein Beispiel) und dies durch fundierte Rankingfaktoren argumentierten. Eines solcher Bewertungsunternehmen ist auch Mercer, welches Wien als lebenswerteste Stadt der Welt seit 2009 kürt.

Wenn man sich dies durchliest, klingt es gar nicht so schlecht und es macht sicherlich Apetit auf mehr. Jedoch beruhen solche Rankings ausschließlich auf Statistiken und nicht auf Erfahrungsbeschreibungen. Stellen wir uns mal vor das Amazon einfach nur nach der Anzahl der verkauften Produkte ihre Suchergebnisse anzeigen würde, ohne darauf die Bewertungen der Käufer mit einzubeziehen. Genau dies sind diese Listen über die lebenswertesten Städte der Welt – ein pures Zahlenspiel.

Aber genug philosophiert, hier die Hauptgründe warum Wien nicht so toll ist:

  1. Sicherheit, Ghettos und Polizei – Ich bin ja selber Ausländer, aufgewachsen teils in Stuttgart und zum Teil in einem bosnischem Ghetto, aber was da in Wien passiert ist eine sehr gefährliche Art von Laissez-faire! Es gibt Bezirke wie den 10. Bezirk, wo man ab 21 Uhr wirklich Frauen abraten sollte sich alleine zu bewegen. Tagsüber gibt es nicht weniger Vorfälle von Gewalt wie z. B. eine Massenschlägerei im McDonalds u.ä. Dies liegt daran dass die Stadt absichtlich die Formierung eines Über-Ass-Ghettos zulässt, aber auch daran dass die Polizei komischerweise immer danach kommt und einfach nur notiert was vorgefallen ist. Ein hartes und rechtzeitiges Durchgreifen, an welches man in Deutschland gewohnt ist, habe ich nicht einmal in Wien beobachten können. Vorfälle gab es viele, egal in welchem Stadtteil, ausser dem edlen ersten Bezirk (wo wir unser Büro hatten). Ich will nicht primär die Ausländer dafür beschuldigen, aber bei einem Anteil von min. 45% von Ausländern in einer Stadt, frage ich mich von wem denn die Ausländer die Integration und die traditionellen Werte lernen sollen? Vielleicht kann man es heute aushalten, aber in 10 Jahren wird Wien bestimmt keinen Friedenspreis gewinnen.
  2. Autointoleranz – Also in Stuttgart hat man es wirklich schwer mit einem Nichtelektroauto, da die Grünen es jeden Tag erschweren. Aber was in Wien los ist, dies kann man getrost als die Autohölle auf Erden beschreiben. Erstens darfst du nur in deinem Bezirk kostenlos parken, d.h. in anderen Bezirken muss du für den normalen Parkplatz (keine Garage) zahlen. Ungefähr ein Drittel der Straßen ist zeitgleich mit Straßenbahnschienen bepflastert. Viel Glück bei einer Vollbremsung bei Regen! Dazu kommen noch die schlechten Fahrer und wieder die Abwesenheit der Polizei. Es gibt zwar genug Blitzer, aber dies verhindert trotzdem die Nachtrennen in sogenannten „Kreisen“ nicht.
  3. Events – Es gab kein einziges hochwertiges Konzert in vier Monaten die ich in Wien verbracht habe. Alle grossen Künstler umgehen die Stadt, warum aber? Ich meine dabei primär die Musikbands und Theater. Es gibt regelmässige Opern, diese sind aber deutlich überteuert, aber zumindestens gibt es sie.

Dies wären die Hauptgründe, Nebengründe gibt es genug, wie Dreck, Massentourismus, hohe Steuern und hohe Gebühren bei der Suche nach der Erstwohnung. Insgesamt gibt es aber dieses Multi-kulti Bild dass nach Aussen getragen wird, einfach nicht. Die Österreicher versuchen sich stark von Ausländern abzugrenzen, die Ausländer sind sowieso in sich geschlossen, die Kluft zwischen Superreichen und dem Mainstream ist riesig. Sogar als reicher Mensch kann man ihn Wien auf eine komische Art ausgegrenzt werden, dies wäre ein Thema für sich.

Für mich kann man eine Stadt wie Wien nicht als lebenswerteste Stadt  der Welt küren, wenn es solche Probleme gibt. Dazu kommt dass man geschäftlich in Wien keine Grossprojekte anfangen sollte, genau so wie man es vermeiden sollte als Startup in Wien zu starten. Ich habe sehr viele erfolgreiche Wiener getroffen, die ihre Zelte in Wien abbauen und wegen den neuen Steuern, auswandern. Es ist sogar für etablierte Unternehmen kaum zu ertragen, dazu sieht die Zukunft in dieser Hinsicht nicht viel besser aus.

Die positive Seite Wiens

Die Österreicher in Wien sind ganz anders als der Rest der Österreicher und dies liegt meiner Meinung daran dass sie so viel mit Ausländern zu tun haben. Sie sind definitiv „weich“, zugänglich und hilfsbereit. Dies führt dazu dass man Freundschaften schneller schließt oder z. B. eher eine Empfehlung bekommt, was in anderen deutschsprachigen Räumen nicht der Fall ist.

Wien hat eine große Auswahl an Gastronomieobjekten und auch die Vielfalt des Angebots ist sehr gross. Es lässt sich prima essen, trinken und sogar Shisha rauchen. Ich empfehle euch das Restaurant im Sofitel (Achtung: Wartezeiten bis zu 2 Monaten sind möglich), die American Bar im 1. Bezirk (der Kellner stellt an Hand seiner Menschenkenntnisse Cocktails zusammen, bei Nichtgefallen muss auch nicht zahlen) und die Selcuklu Shisha Bar im 15. Bezirk, vom Kundenservice dort können alle Shishabars was lernen. Und nein, in Wien sind Shishabars kein Klub der Asozialen, sondern eher ein Treffpunkt für die Alternative Szene wie Veganer und Startupgründer.

Der Vergleich

Wenn man Wien mit München, Stuttgart, Düsseldorf oder mit Washington, Barcelona oder Monaco vergleicht, dann kann ich definitiv völlig subjektiv, mit dem Anstreben objektiv zu sein, sagen – Wien ist nicht lebenswerter als diese Städte! München ist was Events, Business und Kultur angeht deutlich vor Wien. Stuttgart ist mindestens zehn Mal sauberer als Wien und auf die Polizei ist verlass. Sogar Düsseldorf bietet mehr „Leben“ als Wien, die Vielfalt ist gegeben. Barcelona und Washington sind zwar auch dreckig und haben ihre sozialen Probleme, aber mit dem Auto kann man noch immer fahren und die Konzerte genießen. Obwohl ich kein Münchenfan bin, besonders in Hinsicht der Abgehobenheit in Sicht auf Ausländer und manchmal auch zu „anderen“ Deutschen, kann man getrost sagen dass München in jeden Punkt vor Wien liegt und auf dieser Weltrangliste unterbewertet wird.

Das Fazit

Wien bleibt für mich ein tolles Wochenendziel für Shopping und ein romantisches Abendessen, aber für mehr bietet Wien einfach zu wenig und die Zukunft dieser wundervollen Stadt sieht leider sehr düster aus. Wien ist also nicht die lebenswerteste Stadt der Welt! Der Umzug nach Wien hat sich auch nicht als leicht gezeigt (dies ist aber einen zusätzlichen Artikel wert), aber mein Dank geht der Firma „Extra Umzug“ für den reibungslosen und stressfreien Umzug von Wien nach Stuttgart.

ps.Vancouver ist die einzige Stadt in den Top10 dieser Städteweltrangliste welcher ich noch irgendwann eine Chance geben werde, aber bis dahin bleibt Stuttgart mein Hauptquartier, denn erst wenn man geht sieht man was man hatte …